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Wer hat recht? Und warum genau diese Frage eure Beziehung langsam kaputt macht.

  • 19. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Wenn sich zwei Menschen streiten, geht es am Ende oft nur noch um eine einzige Frage: Wer hat eigentlich Recht?


Paare fangen dann an zu überlegen: Wer hat angefangen? Ab wann wurde es schlimm? Wer hat es verursacht? Wer übertreibt? Wer versteht hier eigentlich wen nicht?


Und wir kennen dieses innere Gefühl alle: Warum versteht er meine Sichtweise nicht? Warum sieht sie nicht, dass ich doch eigentlich Recht habe?


Das Problem ist nur: Dieses "Recht-haben" bringt uns kein Stück näher. Im Gegenteil: Es schafft Distanz. Denn wenn es ums Recht haben geht, geht es ums Gewinnen. Dann geht es um "ich gegen dich". Und nicht mehr um Verbindung.


In meiner Praxis erlebe ich es immer wieder: Zwei Menschen erzählen dieselbe Situation – und man hat das Gefühl, sie sprechen über zwei völlig unterschiedliche Ereignisse. Und trotzdem sagen beide ihre Wahrheit.

Nicht die objektive Wahrheit. Die gibt es zwischen zwei Menschen in emotionalen Situationen meistens gar nicht. Sondern ihre subjektive Wahrheit.

Wir erleben jede Situation durch unsere bisherigen Erfahrungen. Wenn im Streit einer plötzlich still wird, fühlt sich das für den anderen vielleicht wie Desinteresse an. Für ihn selbst ist es vielleicht der Versuch, nichts Falsches zu sagen oder die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen. Wenn jemand laut wird, fühlt es sich für diese Person vielleicht nach Klarheit an. Für das Gegenüber ist es ein Angriff.

Und so reden wir aneinander vorbei.


Warum Recht-haben so wichtig erscheint

Recht zu haben fühlt sich sicher an.

Wenn ich Recht habe, bin ich nicht falsch. Wenn ich Recht habe, bin ich nicht schuld. Wenn ich Recht habe, bin ich nicht das Problem.


Hinter diesem Bedürfnis steckt oft einfach der Wunsch, gesehen und ernst genommen zu werden. Eigentlich wollen wir nicht gewinnen. Wir wollen verstanden werden.


Aber sobald wir unbedingt Recht haben wollen, hören wir auf zuzuhören. Wir hören nicht mehr wirklich hin, wir versuchen nur noch, unsere Position zu verteidigen. Und genau in diesem Moment geht Nähe verloren.


Meistens geht es gar nicht um das Thema

Paare streiten häufig über Sachthemen. Haushalt. Termine. Geld. Familie. Aber in Wahrheit geht es selten um das eigentliche Thema.


Es geht darum, wie sich etwas angefühlt hat.

Ich habe mich nicht wichtig gefühlt. Ich habe mich allein gefühlt. Ich hatte das Gefühl, du bist nicht auf meiner Seite.


Doch statt über dieses Gefühl zu sprechen, diskutieren wir über Details. Über Formulierungen. Über Abläufe. Über Kleinigkeiten. Und während wir das tun, entfernen wir uns emotional immer weiter voneinander.


Im Grunde ist es egal, wer Recht hat.

Die wichtigere Frage ist: Verstehst du, wie es sich für dein Gegenüber angefühlt hat?

Du musst es nicht genauso sehen. Du musst nicht zustimmen. Aber du kannst anerkennen, dass der andere es so erlebt hat.


Zum Beispiel: „Ich habe das anders gemeint. Aber ich sehe, dass es dich verletzt hat.“

In diesem Moment geht es nicht mehr um Recht. Es geht um Beziehung.


Ein Perspektivwechsel, der alles verändert

Stell dir vor, du sagst im nächsten Konflikt nicht: „Das stimmt so nicht.“

Sondern: „Erzähl mir nochmal, wie sich das für dich angefühlt hat.“


Oder: „Ich merke, das war dir wirklich wichtig.“


Das bedeutet nicht, dass du dich aufgibst. Es bedeutet nur, dass du anerkennst, dass ihr zwei unterschiedliche Perspektiven habt. Und allein dieses Anerkennen sorgt dafür, dass sich dein Gegenüber gesehen fühlt.

Und wenn sich jemand gesehen fühlt, wird er oder sie automatisch weicher.


Wenn ihr seit Jahren in dieser Schleife steckt

Manche Paare hängen seit Jahren in dieser Dynamik. Diskussionen drehen sich im Kreis. Jeder fühlt sich allein. Jeder fühlt sich missverstanden. Jeder kämpft um seine Wahrheit.

Und irgendwann fühlt sich alles nur noch anstrengend an.


Wenn du merkst, dass ihr euch ständig verteidigt, rechtfertigt und kaum noch wirklich zuhört, dann ist das kein Zeichen dafür, dass eure Liebe weg ist. Es ist eher ein Zeichen dafür, dass ihr euch beide schützen wollt.

Nur leider schafft Schutz keine Nähe.


Nähe entsteht, wenn einer den ersten Schritt macht und sagt: „Mir ist es wichtiger, dass wir uns verstehen, als dass ich Recht habe.“

Das braucht Mut. Und manchmal auch eine Begleitung, die euch durch solche Gespräche führt.


Eine kleine Übung für euch

Beim nächsten Konflikt stell dir eine einzige Frage:

Geht es mir gerade ums Gewinnen – oder ums Verbinden?


Und wenn du kannst, sag es auch laut: „Mir geht es nicht darum, Recht zu haben. Ich möchte verstehen, wie es für dich war.“


Du wirst merken, wie sich die Atmosphäre verändert.

Und wenn ihr das Gefühl habt, ihr kommt aus dieser Schleife alleine nicht mehr heraus, dann melde dich gern bei mir. In einem kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, wie ihr wieder ins Zuhören und Verstehen kommt.

 
 
 

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