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Gesunde Grenzen: Wie du dich schützt, ohne eine Mauer zu bauen

8. Okt.
3 Min. Lesezeit

Teil 4 meiner kleinen Serie zu den Beziehungswerkzeugen von Terrence Real.





Grenzen setzen – das klingt oft nach „Nein sagen“, nach Abstand, nach Schutz vor dem anderen. Aber in einer Liebesbeziehung sind Grenzen etwas anderes. Sie sind das, was echte Nähe überhaupt erst möglich macht.


Terrence Real unterscheidet zwei Arten von Grenzen, die beide wichtig sind: die schützende Grenze und die haltende Grenze.


Zu viel oder zu wenig Grenze


Manche Menschen haben eine Mauer: Nichts kommt rein, nichts kommt raus. Sie wirken kühl, verschlossen, unerreichbar.


Andere haben kaum eine Grenze: Jedes Wort des Partners trifft sie ungefiltert, und jedes eigene Gefühl platzt sofort heraus.


Gesund ist eine Grenze mit Tür. Du entscheidest, was du hereinlässt und was du herauslässt.


Die schützende Grenze: Was lasse ich an mich heran?


Wenn dein Partner etwas Hartes sagt, musst du es nicht sofort schlucken. Du kannst innerlich einen Schritt zurücktreten und prüfen: Stimmt das? Ist da etwas Wahres dran?


  • Wenn ja: Nimm es an, auch wenn es wehtut. Da ist etwas, woraus du lernen kannst.

  • Wenn nein: Lass es an dir vorbeiziehen. Es sagt mehr über deinen Partner als über dich.

  • Wenn du unsicher bist: Frag nach, statt dich sofort zu verteidigen.


Ein Bild, das vielen Paaren hilft: Zwischen dir und deinem Partner ist eine Art Sieb. Die Worte kommen an, aber du entscheidest, was hindurchgeht.


Die haltende Grenze: Was lasse ich aus mir heraus?


Über diese Grenze spricht kaum jemand. Sie schützt nicht dich vor dem anderen, sondern den anderen vor dir. Genauer gesagt vor dem Teil in dir, der im Streit überkocht.


Eine haltende Grenze heißt: Du spürst die Wut, aber du schreist nicht. Du bemerkst den Impuls zu verletzen, aber du folgst ihm nicht. Du nimmst dir eine Pause, bevor du etwas sagst, das du später bereust.


Das ist keine Unterdrückung von Gefühlen. Es ist Verantwortung dafür, wie du sie zeigst.


Grenzen und Augenhöhe


Terry Real verbindet Grenzen eng mit dem Selbstwert. Wer sich klein und beschämt fühlt, lässt oft zu viel an sich heran. Wer sich über den anderen stellt, lässt oft zu viel aus sich heraus.


Gesunde Grenzen helfen euch, auf Augenhöhe zu bleiben: nicht besser, nicht schlechter als der andere.


So drückst du gesunde Grenzen aus


  • Sprich in der Ich-Form: „Ich möchte nicht, dass wir so miteinander reden. Lass uns zehn Minuten Pause machen und dann weitersprechen.“

  • Sei freundlich und klar zugleich. Eine Grenze muss nicht laut sein, um ernst gemeint zu sein.

  • Sag, was du tun wirst, nicht was der andere tun muss: „Wenn es so laut wird, gehe ich kurz raus“ statt „Hör auf zu schreien!“

  • Komm zurück. Eine Pause ist kein Rückzug. Sag, wann ihr weiterredet, und halte dich daran.


Eine kleine Übung


Frag dich diese Woche nach jedem Konflikt:


  • Habe ich etwas an mich herangelassen, das eigentlich gar nicht zu mir gehört?

  • Habe ich etwas herausgelassen, das ich besser gehalten hätte?

  • Was hätte mir geholfen, auf Augenhöhe zu bleiben?



Wenn ihr merkt, dass es euch schwerfällt, gute Grenzen miteinander zu finden, begleite ich euch gern. Buch dir ein kostenloses Erstgespräch. Ich arbeite online, ihr könnt also ganz entspannt von zu Hause aus dabei sein.



Alles Liebe,


Sina


Die Konzepte in diesem Artikel stammen von Terrence „Terry“ Real, US-amerikanischer Paartherapeut und Begründer der Relational Life Therapy (RLT). Mehr darüber findest du in seinen Büchern, zum Beispiel „The New Rules of Marriage“ und „Fierce Intimacy“.


 
 
 

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